Ein Dilemma (griechisch δί-λημμα: „zweigliedrige Annahme“, Plural: Dilemmas oder Dilemmata), auch Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Wahlmöglichkeiten bietet, welche beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Es wird durch seine Ausweglosigkeit als paradox empfunden. Auch der Zwang zu einer Auswahl zwischen zwei positiven Möglichkeiten kann ein Dilemma sein. Bei mehr als zwei Möglichkeiten spricht man von einem Polylemma. (Quelle: Wikipedia)
Man hat’s nicht leicht. Als westeuropäisches Mittelschichtskind nicht. Und schon gar nicht, wenn man auch noch Sozialwissenschaften studiert. Letzte Woche hatte ich verdammt schlechte Laune, was einige von Euch ausführlich zu fühlen/hören bekommen haben. Das lag zum einen an der erzwungenen Isolation durch die Schweinegrippe oder was immer das war, was ich da hatte. Zum anderen lag es aber auch wirklich an dem, was man hier so sieht und mitbekommt. Und daran, daß ich die ganze Zeit wie eine Irre versuche, es irgendwie theoretisch einzuordnen und zu deuten. Ich weiß zwar ganz genau, daß das nicht geht (u.a. weil ich die Theorie überhaupt nicht beherrsche), aber leider ist mein Hirn schon so konditioniert, daß es nicht mehr auf mich hört. Und es ist halt so verdammt frustrierend, wenn man nie eine Antwort findet.
Paradoxerweise fehlt mir aber genau diese Art zu denken bei ganz vielen anderen Sachen. Es kann sehr hilfreich sein, wenn man seine persönliche Lage mal aus der Distanz betrachtet und ein bißchen analysiert. Dann stellt man nämlich fest, daß vieles, was man nicht versteht und darum als Problem empfindet, ziemlich leicht erklärbar ist und unter Umständen gar nicht mit Russland zu tun hat, sondern mehr mit der Prägung, die man zu Hause so abgekriegt hat. Naja, was ich eigentlich sagen will, ist, daß man einen Haufen Probleme, die man zu Hause genauso hat, logischerweise nicht an der Grenze abgibt. Man schleppt die schön mit und wenn sie dann akut werden, ist man völlig überrumpelt. Man motzt dann über die komischen Leute hier und die fremde Kultur und so weiter. Außerdem wird man hier mit Seiten von sich konfrontiert, von denen man nichts geahnt hat, weil man zu Hause nie in Situationen kommt, in denen man sich mit ihnen auseinandersetzen müßte bzw. es ist viel leichter ihnen aus dem Weg zu gehen – deswegen westeuropäisches Mittelschichtskind. Es hat oft mit Geld zu tun. Mit dem Wohlfahrtsstaat. Mit dem Bildungssystem. Mit der Kultur. Bei uns kann man ganz gut ein bißchen schrullig sein ohne es zu merken.
Bißchen kryptisch das Ganze, ich weiß. Man könnte vielleicht auch sagen, daß ich einen klassischen Kulturschock hatte. Aber der ist mir als Konzept zu vage und erklärt nichts so richtig. Da ist mein Ansatz hier schon viel besser
P.S.: Die Heizung funktioniert mal wieder nicht. Heißes Wasser auch nicht so richtig.
P.P.S.: Nächstes Mal erzähle ich dann mal wieder was über Russland.


