Dilemmata

Posted November 18, 2009 by anjamascha
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Ein Dilemma (griechisch δί-λημμα: „zweigliedrige Annahme“, Plural: Dilemmas oder Dilemmata), auch Zwickmühle, bezeichnet eine Situation, die zwei Wahlmöglichkeiten bietet, welche beide zu einem unerwünschten Resultat führen. Es wird durch seine Ausweglosigkeit als paradox empfunden. Auch der Zwang zu einer Auswahl zwischen zwei positiven Möglichkeiten kann ein Dilemma sein. Bei mehr als zwei Möglichkeiten spricht man von einem Polylemma. (Quelle: Wikipedia)

Man hat’s nicht leicht. Als westeuropäisches Mittelschichtskind nicht. Und schon gar nicht, wenn man auch noch Sozialwissenschaften studiert. Letzte Woche hatte ich verdammt schlechte Laune, was einige von Euch ausführlich zu fühlen/hören bekommen haben. Das lag zum einen an der erzwungenen Isolation durch die Schweinegrippe oder was immer das war, was ich da hatte. Zum anderen lag es aber auch wirklich an dem, was man hier so sieht und mitbekommt. Und daran, daß ich die ganze Zeit wie eine Irre versuche, es irgendwie theoretisch einzuordnen und zu deuten. Ich weiß zwar ganz genau, daß das nicht geht (u.a. weil ich die Theorie überhaupt nicht beherrsche), aber leider ist mein Hirn schon so konditioniert, daß es nicht mehr auf mich hört. Und es ist halt so verdammt frustrierend, wenn man nie eine Antwort findet.

Paradoxerweise fehlt mir aber genau diese Art zu denken bei ganz vielen anderen Sachen. Es kann sehr hilfreich sein, wenn man seine persönliche Lage mal aus der Distanz betrachtet und ein bißchen analysiert. Dann stellt man nämlich fest, daß vieles, was man nicht versteht und darum als Problem empfindet, ziemlich leicht erklärbar ist und unter Umständen gar nicht mit Russland zu tun hat, sondern mehr mit der Prägung, die man zu Hause so abgekriegt hat. Naja, was ich eigentlich sagen will, ist, daß man einen Haufen Probleme, die man zu Hause genauso hat, logischerweise nicht an der Grenze abgibt. Man schleppt die schön mit und wenn sie dann akut werden, ist man völlig überrumpelt. Man motzt dann über die komischen Leute hier und die fremde Kultur und so weiter. Außerdem wird man hier mit Seiten von sich konfrontiert, von denen man nichts geahnt hat, weil man zu Hause nie in Situationen kommt, in denen man sich mit ihnen auseinandersetzen müßte bzw. es ist viel leichter ihnen aus dem Weg zu gehen – deswegen westeuropäisches Mittelschichtskind. Es hat oft mit Geld zu tun. Mit dem Wohlfahrtsstaat. Mit dem Bildungssystem. Mit der Kultur. Bei uns kann man ganz gut ein bißchen schrullig sein ohne es zu merken.

Bißchen kryptisch das Ganze, ich weiß. Man könnte vielleicht auch sagen, daß ich einen klassischen Kulturschock hatte. Aber der ist mir als Konzept zu vage und erklärt nichts so richtig. Da ist mein Ansatz hier schon viel besser ;)

P.S.: Die Heizung funktioniert mal wieder nicht. Heißes Wasser auch nicht so richtig.

P.P.S.: Nächstes Mal erzähle ich dann mal wieder was über Russland.

Turn me on

Posted November 7, 2009 by anjamascha
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Nach 4 Tagen Stubehocken mit Schweinegrippe oder sowas ähnlichem, ist meine Laune richtig mies. Ich finde gerade jedes andere Land dieser Erde attraktiver als dieses hier. Es ist auch kein anderes Land so kalt wie dieses. Und dabei auch noch so heruntergekommen. Infrastrukturell. Moralisch.

Letztes Wochenende waren wir mal wieder in Moskau. Es gab da eine Party. Auf dieser Party waren viele Ausländer, die aus den verschiedensten Gründen in Russland sind. Manche zum Sprachkurs (Westeuropäer). Andere für das komplette Studium (Asiaten und Bewohner von NIC-Ländern = Newly Industrialising Countries (Erdkunde GK im Abi)). Andere wegen der Arbeit (Westeuropäer, Australier). Auf dieser Party traf ich einen deutschen Architekten. Wir unterhielten uns auf Deutsch. Wir haben uns nicht verstanden. Er war nämlich einer von der Sorte, die sich daran aufgeilen, wie verrottet hier alles ist und je beschissener ein Land ist, desto besser fühlt er sich. Moldawien kannte er auch und fand es dort „im Vergleich“ voll normal und die Slowakei hat ihn enttäuscht, weil sie voll entwickelt ist. Und so genießt er seinen Aufenthalt in Russland in vollen Zügen, weil er hier „sofort in die Gesellschaft reingekommen“ ist (über das Internet organisierte Ex-Pat-Parties, auf denen keiner den anderen kennt und alle interessiert und offen sind), ganz toll Russisch lernt (jeden Morgen mit dem Taxifahrer im von der deutschen Firma bezahlten Taxi) und außerdem schon erkannt hat, daß Geld und Reichtum völlig unwichtig sind (Das irgendwie im Gespräch mit den usbekischen und armenischen Bauarbeitern auf der Baustelle. Die haben eine 12-Stunden-Schicht und jedes zweite Wochenende einen Tag frei. Bezahlung beschissen. Ich glaube ja, daß seine Erkenntnis auf einem Übersetzungsfehler beruht.).

Hin und wieder habe ich mich auch schon im Verdacht gehabt, so drauf zu sein wie dieser Architekt. Ein bißchen Abenteuerurlaub, mal ein bißchen Gänsehaut kriegen, wenn es so dicht an einen herankommt. Sich davon einen Kick holen. Fühlen „daß man lebt“ (O-Ton Architekt).

Aber nee. Ich kriege davon keinen Kick und keine Gänsehaut, dafür Kopfschmerzen und ein Magengeschwür. Mich kotzt das an. Mich kotzt das alles sowas von an. Klar, irgendwie gab es hier schon einen Aufschwung, irgendwo muß das ganze Ölgeld ja hin und irgendwie fällt dabei auch immer für die  hinteren Ränge was ab. Aber ich bin mir sehr sicher, daß das ganz schnell wieder vorbei sein kann, bei dem geringen Maß an Weitsicht, daß die hier an den Tag legen – und dann war es das mit Villa in London für die Oligarchen und Urlaub in Antalya für die anderen. Dann sitzen die hier mit ihrem Judo-Champion und seinem Juniorpartner und ihren Atomsprengköpfen und frieren sich den Hintern ab. Mir tut das leid. Mir tut das weh. Wahrscheinlich deprimiert mich das mehr, als es die  Betroffenen selbst deprimiert und ist somit völlig bescheuert und außerdem auch nicht besser, weil überhaupt nicht konstruktiv. An vielen Tagen (z.B. Rassimustagen) ist es auch mehr so ein „Macht euern Scheiß doch alleine“-Gefühl. „Kick“ ist jedenfalls anders.

 

Frage: Begünstigen Kälte und Dunkelheit eigentlich dumpfen Rassismus?

Antwort: Siedelt im Süden. Nur da. Menschen sind nicht für Temperaturen unter 20°C gemacht. Sonst hätten sie ja Fell.

Schwarzfahren

Posted Oktober 27, 2009 by anjamascha
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Ich liebe öffentliche Verkehrsmittel. Das hat verschiedene Gründe. Einer ist, daß jede Fahrt spannende Einblicke in Gesellschaft (und so) gewährt.

Ich war am Wochenende in Moskau und für den Heimweg habe ich eine Elektritschka genommen. Das sind ziemlich alte, langsame Züge die hauptsächlich von Pendlern aus der näheren Umgebung Moskaus genutzt werden. Wenn man mit so einem Zug fährt, kann man folgendes beobachten:

Nachdem der Zug eine Weile gefahren ist, stehen einige Leute auf und verlassen das Abteil alle in eine Richtung. Außerdem kommen aus der anderen Richtung mehr Leute in das Abteil und folgen ihnen durch den Ausgang. Je nachdem wo man sitzt, sind das bis zu 50 oder 60 Personen, im Gänsemarsch. Der letzte von ihnen ist ein Mann in Uniform, der nicht durch den Ausgang geht, sondern sich daneben aufstellt. Dann kommen die Schaffner und kontrollieren die Tickets der verbliebenen Fahrgäste. Manchmal geht einer von denen vorher noch durch den Ausgang, während der Uniformierte konzentriert aus dem Fenster guckt. Bei der nächsten Haltestelle rennen die Leute am Zug entlang zurück und steigen hinten wieder ein. Gibt es während einer Fahrt mehrere Kontrollen, kommen die Leute mehrere Male vorbei.

Ich habe das jetzt ein paar Mal gesehen und bin jedes Mal ganz aus dem Häuschen und habe einen Haufen Fragen dazu. Wie nennt man das? Wie haben die Leute sich darauf verständigt? Aber es ist auch ein bißchen Antwort, nämlich auf meine Frage, wie das Leben funktionieren kann, wenn die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten den Durchschnittslohn übersteigen. Wissen macht Ah!

Rassismus III

Posted Oktober 27, 2009 by anjamascha
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Im Moment fehlt mir leider noch die Theorie zum Thema, aber hier schon mal ein paar Rohdaten, die bei einer methodisch schlecht durchgeführten Befragung zum Thema „Russen über sich selbst“ angefallen sind. Daraus kann man dann ja eine Theorie bilden. Freiwillige vor.

(Внимание: „Russisch“ bezeichnet die ethnische Zugehörigkeit, „russländisch“ die politische: Im Russischen wird unterschieden zwischen „russkij“ und „rossiskij“= Bürger der Russischen Föderation. Man kann z.B. russländischer Bürger ukrainischer Nationalität sein. Ist ein bißchen anderes Verständnis als im Deutschen.)

A = anjamascha

1. Gespräch mit W. (Studentin, 23, russisch) und G. (Studentin, ca. 20, russisch) 

A: Was ist das – ein Ausländer?

G: Ein Mensch.   

W: Jemand, der kein russländischer  Bürger ist. Der keinen russländischen Pass hat.

G: Genau.

A: Was noch?

W: Nichts. Manche können Russisch sprechen. Oder sie interessieren sich für die russische Kultur.

A: Gibt es viele Ausländer in Russland?

W: Ja, sehr viele.

G: Auf der medizinischen Fakultät sind viele. Und auf der polytechnischen. Aus Indien.

W: Und Gastarbeiter gibt es viele.

 

2. Gespräch mit O. (Student, 18, russisch-ukrainisch)

A: Was ist das – ein Ausländer?

O: Jemand der keinen Pass der russländischen Föderation hat.

A: Gibt es viele Ausländer in Russland?

O: Nein, nicht viele.

A: Sollte es mehr Ausländer in Russland geben? Wäre das gut für Russland?

O: Ja, das wäre gut. Wenn sie Russisch sprechen.

A: Was sollen sie hier machen?

O: Arbeiten und konsumieren, weil es dafür nicht mehr genug Leute gibt. Die Bevölkerung nimmt nämlich ab, weil kaum Kinder geboren werden.

 

3. Gespräch mit M. (Student, 18, koreanisch-weißrussisch)

A: Was ist das – ein Ausländer?

M: Jemand der keinen russländischen Pass hat.

A: Gibt es viele Ausländer in Russland?

M: Zu viele.

A: Warum zu viele?

M: Ich weiß, wir haben darüber schon geredet und du denkst anders, aber es sind zu viele. Die Russen sterben aus.

 

4. Gespräch mit D. (Student, 18, russisch)

A: Was ist das – ein Ausländer?

D (lacht): Ein Usbeke. Ein Gastarbeiter.

A: Nur die?

D: Nein. Das ist einfach jemand, der keinen Pass der RF hat. Oder keinen Pass der GUS-Staaten.

A: Gibt es viele Ausländer in Russland?

D: Es gibt zu viele Gastarbeiter. Ausländer gibt es zu wenig.

A: Was meinst damit, daß es zu wenig Ausländer gibt?

D: Deutsche zum Beispiel, mit denen ich deutsch reden kann.

A: Und warum zu viele Gastarbeiter?

D: Wenn ich auf der Straße bin und ich höre, daß die Leute Usbekisch sprechen oder Tschetschenisch, dann stürmt es in mir.

A: Es stürmt?

D: Ja. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll.

A: Warum stürmt es?

D: Ich weiß nicht. Vielleicht wegen dem Krieg in Tschetschenien.

A: Ist es Angst?

D: Nein.

A: Wut?

D: Nein. Keine Wut.

A: Hat es mit Religion zu tun?

D: Nein. Ich weiß nicht. Schreib: Er hat keine Worte.

Da ist man mal zwei Minuten aus der Uni…

Posted Oktober 19, 2009 by anjamascha
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Einer dieser Tage

Posted Oktober 16, 2009 by anjamascha
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Heute ist ein besonderer Tag.  Aus keinem besonderen Grund. Es ist nichts besonderes passiert.  Aber auf einmal ist alles anders. Die Stadt, die Leute, die Luft, die Laune, das Denken.

Es hat damit angefangen, dass ich nachts aufgewacht bin, weil es ein tropfendes Geraeusch gab. In der Wohnung ueber mir war wohl ein Rohr gebrochen und das Wasser kam bei mir durch die Decke.  Weil es mitten in der Nacht war, habe ich es ignoriert. Ich wuerde auch einen Wohnungsbrand ignorieren, wenn ich schlafen will.  Heute morgen hatte es aufgehoert zu tropfen und als ich ins Bad gegangen bin, stellte sich die Ursache fuer den Rohrbruch heraus: Das warme Wasser ist wieder angestellt worden. Da ist das Rohr wohl vor Freude geplatzt. Waere ich dann auch fast, als ich gemerkt habe, dass ausserdem  die Heizung laeuft. Es ist sicher etwas albern, aber es macht so einen grossen Unterschied, wenn man sich normal in einem Raum bewegen kann und nicht unter drei Decken schlafen muss. Dann wollte ich eigentlich zu einer Vorlesung, aber weil der Tag so besonders ist und das Wetter wunderschoen, bin ich auf dem Weg dorthin irgendwie vom Pfad abgekommen und stundenlang einfach an der Wolga langgelaufen, habe  in der Sonne gesessen und mir Stadtteile angeguckt, die ich noch nicht kannte. Irgendwas war anders heute. Es war nicht mehr alles so ueberwaeltigend post-sowjetisch, wie das am Anfang immer ist.  Irgendwie habe ich heute die Stadt verstanden. Wie die tickt. Und es hat mit sehr gefallen.

Darum gibt es erstmal keine Analyse zur Protestaktion der Opposition im Parlament und auch keinen Kommentar zur Bombenexplosion in Moldawien (40 Verletzte, Motiv unklar).

Dafuer eine tatsaechlich verbildlichte Metapher fuer den Stimmungswandel: In meinem Zimmer hatten sich Schmetterlinge zum Ueberwintern eingerichtet. Die sind durch die Heizung wieder wachgeworden und fingen an, am Fenster rumzuflattern. Gott, wie kitschig…

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Nix los

Posted Oktober 12, 2009 by anjamascha
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Zu Besuch bei den demokratischen Elementen

Posted Oktober 12, 2009 by anjamascha
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Wir waren am Mittwoch in Moskau auf einer Gedenkveranstaltung anläßlich des dritten Todestages von Anna Politkowskaja. Für die, die sie nicht kennen: Anna Politkowskaja war Journalistin und hat besonders über den Bürgerkrieg in Tschetschenien geschrieben und das Vorgehen der russischen Armee heftig kritisiert und den damaligen Präsidenten Putin direkt für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Vor drei Jahren ist sie erschossen worden. Es gab einen umstrittenen Prozess, aber die Hintermänner sind nie gefunden worden. Allgemein vermutet man, daß das an deren unmittelbarer Nähe zur politischen Elite liegt.

Eine Gedenkveranstaltung für Anna Politkowskaja ist damit schon eine politische Aktion, was in Russland bekannterweise etwas kompliziert werden kann, wenn man für die falsche Seite aktiv ist. Nun ist es meiner Meinung nach eher kontraproduktiv, wenn man als Ausländer an so etwas teilnimmt. Ersten bestätigt man so diejenigen, die verschwörungstheoretisch den Westen im Verdacht haben, Putins Macht untergraben zu wollen. Zweitens habe ich das Gefühl, daß es auf die meisten Russen befremdlich wirkt, wenn auf einer Demonstration Leute auftauchen, die nicht mal die Sprache beherrschen und die von der Situation gar nicht betroffen sind. Ich würde das auch komisch finden. Darum bin ich nicht nach Moskau gefahren um zu demonstrieren, sondern um eine rein wissenschaftliche Beobachtung durchzuführen. Alles klar?

Ich kann den Ort schwer beschreiben, also versuche ich es mal mit einem subjektiven Gefühl: Es war eng. Also kein großer Platz, sondern irgendwie zwischen zwei Fahrspuren am Ende einer Grünanlage mit einer Straßenbahnstation im Rücken. Vor der Bühne war ein Bereich abgesperrt, den die Teilnehmer nur durch Sicherheitsschleusen wie am Flughafen und nach Taschenkontrolle betreten durften. Links und rechts standen ein paar Busse, in denen etwa 50 OMON-Leute in voller Montur saßen (Spezialeinheit der russischen Polizei; vergleichbar mit SEK bei uns?). Was die da wollten, ist mir nicht ganz klar geworden, denn die 800 Teilnehmer, die laut kasparov.ru an diesem Tag auf die Straße gegangen sind, schließen wohl diejenigen mit ein, die Blumen vor Anna Politkowskajas Wohnung niedergelegt haben oder sich irgendwo anders gezeigt haben. Auf der Gedenkveranstaltung jedenfalls waren vielleicht 200 oder 300 Leute (davon die Hälfte Journalisten und Polizisten in zivil, deren Funkgeräte auch durch die Jacke zu hören waren) und das Durchschnittsalter war um die 60, so daß sich das Gewaltpotential in Grenzen hielt. Eigentlich hatten wir das ganze aus der Entfernung beobachten wollen, aber irgendwie sind wir doch mittendrin gelandet und plötzlich hielt jeder von uns ein Anna-Bild und zwei rote Nelken in der Hand, was ich eigentlich vermeiden wollte. Naja. Pressefreiheit ist ja ein universeller Wert. Es gab dann ein paar Reden von Regierungskritikern und Menschenrechtlern, die ich zur Hälfte verstanden habe, so daß ich mir den Kommentar erlaube: Nix neues. Alles altbekannte Kritikpunkte und Vorwürfe. Höhepunkt war wohl, als alle zusammen drei-, viermal „Russland ohne Putin“ gerufen haben. In dem Moment habe ich doch mal zu den OMON-Leuten rübergeschielt.

Auf dem Rückweg sind wir angesprochen worden, weil ein paar von uns immer noch das Anna-Bild und die Blumen bei sich hatten. Dafür sind wir zweimal gelobt worden und einmal haben wir jeder eine Mandarine geschenkt bekommen. Und J. hatte auf dem McDonalds-Klo Ärger mit der Klofrau, weil man nicht mit roten Nelken herumlaufen soll. Das bringt Unglück. Dann sind wir nach Hause gefahren. Unverletzt und ziemlich sicher, daß der FSB jetzt unser Bild hat.

Natürlich war das ganze in erster Linie eine Gedenkveranstaltung und mehr nebenbei eine Protestaktion. Und ich war bisher nur auf dieser einen. Ich sollte also keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber der Tag in Moskau paßt einfach zu gut zu dem Eindruck, den ich hier mehr und mehr bekomme: Das Land steht still. Irgendwie ist hier keine Bewegung drin. Nicht vonseiten der Macht, aber auch nicht vonseiten der Opposition, die einfach nicht weiß, wo sie ansetzen soll. Alles ruhig.

Alle warten ab.

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Rassismus II

Posted Oktober 8, 2009 by anjamascha
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Manche Probleme loesen sich von alleine.

„Regt dich das nicht auf?

(Grafik des ueberraschend proportionalen Anstiegs des Bevoelkerungsanteils der kaukasischen und asiatischen Mitbuerger)

Genozid!

Die Russen als Nation sterben aus!

In 50 Jahren bleiben nur noch Alte und Alkoholiker uebrig!“

Artensterben

Artensterben

Ist das kauzig?

Posted Oktober 2, 2009 by anjamascha
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